Interview mit der Bezirksbürgermeisterin von Bad Godesberg

In ihrer ersten Sitzung hat die Bezirksvertretung Bad Godesberg die Stadtverordnete Feyza Yildiz (CDU) zur Bezirksbürgermeisterin gewählt. Im Interview mit Haus & Grund aktuell erläutert die 37jährige ihre Ziele. Die neue Repräsentantin wurde 1988 in Bad Godesberg geboren, wuchs dort auf, studierte in Darmstadt Bildungswissenschaften, kehrte nach Bad Godesberg zurück, ist beruflich im Bonner Teilbereich des Bundesamtes für Statistik als Spezialistin Fragen von Kindern, Jugendlichen und Familien engagiert, Zielgruppen, die auch Schwerpunkte bilden, seit sie 2020 in den Rat der Stadt Bonn einzog. Die Fragen stellten Dr. Wilhelm Hemmerde und Friedel Frechen.

Frau Bezirksbürgermeisterin, herzliche Glückwünsche zu Ihrer neuen Aufgabe. Wie kamen sie zur Kommunalpolitik?

Als ich nach meinem Studium nach Bad Godesberg zurückkehrte wollte ich mich vor Ortehrenamtlich engagieren und mich zunächst niederschwellig für das Gemeinwohl einsetzen. Zum Beispiel in der Nachbarschaftsarbeit. 2018 wurde ich Mitglied der CDU, aber zunächst ohne das Ziel, politische Ämter anzustreben. Ich wollte mitmachen und mitgestalten. Bei der Suche nach Bewerberinnen und Bewerber für die Kommunalwahl 2020 wurde ich angesprochen, man kann auch sagen, ermuntert, für ein Ratsmandat zu kandidieren. Das habe ich mit Erfolg getan. 2020 wurde ich Mitglied des Rates der Stadt Bonn.

Hatten Sie damals bereits einen politischen Schwerpunkt?

Im Rat habe ich mich für den Bereich Kinder, Jugend und Familie eingesetzt und war Mitglied und Sprecherin meiner Fraktion im zuständigen Fachausschuss des Rates. In Bad Godesberg habe ich die Interessen meiner Wählerinnen und Wähler vertreten.

Nun sind Sie Bezirksbürgermeisterin. Welche Reaktionen erfahren Sie in Öffentlichkeit und Bürgerschaft?

Ich habe bereits vor der Wahl große Unterstützung aus der Stadtgesellschaft gespürt, auch für die Stadtratswahl. Sie kam aus unterschiedlichen Bereichen, etwa von Vereinen, von Menschen in bedeutenden Funktionen, auch von denen, mit denen ich auf der Straße, im öffentlichen Raum zusammengetroffen bin. Ich fühlte eine starke Unterstützung. Viele haben mir schon im September zum Wahlsieg gratuliert und mich ermuntert, das Amt der Bezirksbürgermeisterin anzustreben.

Wie haben Sie das empfunden?

Als Ermutigung und als Ermunterung. Viele wollten eine jüngere, engagierte Frau in diesem Amt, die gezeigt hat, dass sie ihrer politischen Betätigung mit Leidenschaft nachgeht. Wenn Sie so wollen, war das Ansehen so etwas wie der Lohn meiner bisherigen Arbeit in der Kommunalpolitik. Eine weitere Aufgabe kam hinzu: seit 2022 bin ich Vorsitzende des CDU-Bezirksverbandes Bad Godesberg.

Was war Ihre erste Amtshandlung nach der Wahl zur Bezirksbürgermeisterin?

Zunächst gab es ein Gespräch mit der Bezirksverwaltungsstelle unter Leitung von  Christian Schäfer. Es folgte – und das war mich ganz wichtig – ein Besuch in unserer Nachbargemeinde Wachtberg beim dort erstmals direkt gewählten Bürgermeister Swen Christian. Ich lege Wert auf eine gute kommunale Nachbarschaft. Wir haben in vielen Sachfragen, z.B. dem Überflutungsschutz, gemeinsame Aufgaben, Ziele und Interessen.

Der Stadtrat ist, viele wissen es nicht, das wichtigste Entscheidungsgremium in Bonn, wichtiger noch als der Oberbürgermeister. Was können Sie tun, um Bad Godesberger Interessen in der Gesamtstadt durchzusetzen?

Es nötig und es ist möglich das Kraftpotential der Bezirksvertretungen auszuschöpfen. Bezirksvertretungen haben in vielen Fragen abschließende Entscheidungskompetenzen. Wir sind für alle Angelegenheiten zuständig, deren Bedeutung nicht wesentlich über den Stadtbezirk hinausgeht. Die Bezirkssatzung nennt 25 Entscheidungsbereiche. Außerdem haben wir Anhörungsrechte und Empfehlungsrechte in allen Angelegenheiten des Stadtbezirks. Wir dürfen nicht nur, wir sind verpflichtet, Stellung zu nehmen. Wie man sieht, haben wir viele Einmischungs- und Einwirkungsmöglichkeiten. Davon werden wir auch eifrig Gebrauch machen.

Im Rat sind sie selbst Mitglied. Sie gehören der CDU-Fraktion an. Damit stehen Ihnen alle Instrumente der Gemeindeordnung und der Geschäftsordnung des Stadtrates zur Verfügung. Wie werden Sie mit dem Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung umgehen?

Zu beiden, OB und Verwaltung, suche ich ein gutes Verhältnis und auch auf der Arbeitsebene einen engen Kontakt. Das bedeutet, ich agiere nicht nur über die Wege schriftlicher Vorlagen, sondern will direkt wissen, was los ist. Mein Prinzip ist anpacken statt abwarten. Ich sehe viele Bereiche, in denen wir mehr Tempo brauchen, um das zu erreichen, was für Bad Godesberg wichtig ist. Vieles geht mir zu langsam. Man muss dranbleiben, stabile Netzwerke entwickeln und diese auch nutzen. Ich bin jemand der anruft und nicht wartet, angerufen zu werden.

Haus & Grund Aktuell, Ausgabe 12/2025